Seifenkistenrennen 2011

 
   
Am Sonntag, den 24. Juli 2011, veranstaltet der SV Huldsessen im Rahmen des Dorffestes zum zweiten Mal ein Seifenkistenrennen.
 
 

Geschichte des Seifenkistensports

 

 

 

 

Die ersten offiziellen Kinderautomobilrennen, die geschichtlich erwähnt werden, fanden im Jahre 1902 in Champigny bei Paris statt.

Inspiriert durch das 5. großen „Gordon-Bennett-Rennen“, das am 17. Juni 1904 zum ersten Mal auf deutschen Boden bei Homburg (bei Frankfurt am Main) durch den Taunus führte, wurde auch die deutsche Jugend vom Rennfieber erfasst.

Viele Kinder und Jugendliche in den Orten entlang der Rennstrecke bastelten ihre eigenen Rennfahrzeuge aus alten Brettern und Schrott zusammen und fuhren damit die Hügel am Rande der Ortschaften hinab.

So entstanden die ersten inoffiziellen Rennen von Kinderautomobilen (den Namen Seifenkiste kannte man damals noch nicht). Das erste offizielle Kinderautomobilrennen, das durch einen Zeitungsbericht von damals belegt ist, entstand schließlich in Oberursel. Bis zum Jahre 1907 erlebte der Sport in dieser Gegend eine wahre Blüte, kam aber dann bald wieder in Vergessenheit.

In den 30er Jahren bedruckte eine amerikanische Seifenfirma ihre Transportkisten, mit denen die Seifen geliefert wurden, als Werbegag mit den Umrissen von einfachen Kinderautomobilen. Diese Transportkisten waren bei der amerikanischen Jugend sehr begehrt und wurden dann auch zum Bau ihrer Rennfahrzeuge verwendet. Der Name Soap Box -  Seifenkiste - war geboren.

Nun entstanden in Amerika auch die ersten offiziellen Seifenkistenrennen. Nachdem die Automobilfirma General Motors als großer Sponsor in diesen neuen Sport einstieg, wurde im Jahre 1933 das erste große Soap Box Derby in Dayton/Ohio CV(damals als Amerikanische Meisterschaft) veranstaltet, bei dem immerhin über 350 Fahrer teilnahmen.

Das „All-American Soap Box Derby“ fand ab diesen Zeitpunkt jedes Jahr statt und sollte laut Berichten jährlich bis zu 75000 Zuschauern angezogen haben.

Bis heute noch ist diese Veranstaltung das größte Seifenkistenspektakel weltweit. Seit 1949 traten dort allerdings nicht nur die amerikanische Fahrer an. Seifenkistenpiloten der ganzen Welt, die sich hierfür qualifiziert haben, starteten in Dayton bei der Weltmeisterschaft im Seifenkistensport.

 

Nach dem 2. Weltkrieg brachte dann das amerikanische Militär, das innerhalb ihrer US-amerikanischen Besatzungszone einen großen Teil Westdeutschlands regierte, im Rahmen einer Umerziehungsmaßnahme für die deutsche Jugend, den Seifenkistensport wieder nach Deutschland.

Den jungen Deutschen, die ja damals noch immer vor dem Trümmerhaufen des Krieges standen und zum großen Teil an den Straßen herumlungerten, sollte eine sinnvolle Aufgabe angeboten werden. Durch die Rennen und vor allem durch den Bau der Seifenkisten wollte man den Frust der Kriegsauswirkungen entgegenwirken, die Buben beschäftigen, Interesse für Technik wecken und vor allem den Mut, etwas Neues anzupacken. Vielerorts wurde dieses Vorhaben von den jungen Deutschen auch gerne angenommen und so blühte der Seifenkistensport in großen Teilen Deutschlands wieder auf.

1949, dem Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und im folgendem Jahre 1950 fanden dann verstärkt mit Unterstützung der Amerikaner überall in unserem Lande Seifenkistenrennen statt.

 

Die Seifenkisten verbreiteten sich im ganzen Land schneller, als die Kisten rollen konnten: 1949 nahmen in ganz Deutschland 15 000 Kinder an mehr als 500 Wettkämpfen teil. Die Deutsche Meisterschaft wurde in München ausgetragen, auf einer eigens gebauten, riesigen Holzrampe auf der Theresienwiese. Bis zu 15 000 Zuschauer kamen damals zu den Rennen. Der Gewinner bekam eine 14-tägige Reise nach Amerika, zusammen mit seinem Vater - weil doch einiger Schweiß der Väter in den Kisten steckte – um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen.

 

1951, nachdem sich dann die Amerikaner wieder zurückgezogen haben, übernahm die deutsche Autofirma Opel, die schon 1950 diese Veranstaltungen mit der Lieferung Ihrer Radsätze unterstützt hatte, im großen Rahmen die Förderung dieses Sports. Mit einem immensen finanziellen Aufwand wurden diese Veranstaltungen organisiert und geleitet.

 

Im Jahre 1973, nachdem sich Opel wieder von diesem Sport zurückgezogen hatte, wurde der Deutsche Seifenkisten Derby e. V gegründet. Unter diesem Dachverband werden seit dieser Zeit Seifenkistenrennen in vielen Bundesländern organisiert und ausgetragen.

 

In Bayern hingegen ist der Seifenkistensport schon fast in Vergessenheit geraten.

 

Was allerdings die meisten Bürger in unserem Umkreis nicht wissen, ist die Tatsache, dass gerade bei uns in Eggenfelden einmal das Thema Seifenkistenrennen ganz groß geschrieben wurde. 1949 und 1950 hat es nämlich auch bei uns große, legendäre Rennen gegeben.

So wurde Ende Juni 1949 am Wurmannsquiker Berg das erste Eggenfeldender Seifenkistenrennen ausgetragen. Hauptinitiator war der damalige Lehrer und Leiter des Kreisjugendringes, Franz Randak. 48 Seifenkisten „bretterten“ in einem spektakulären Rennen im KO-System den Berg herunter - vor immerhin über 4000 Zuschauern.

Die 20 besten Fahrer dieses Rennens konnten sich hierbei sogar weiterqualifizieren für die niederbayerische Meisterschaft in Deggendorf am Ruselberg.

Bei dem Seifenkistenrennen im Jahre 1950 kam dann ein ganz Großer aus diesen Reihen hervor

– Rupert Grubwinkler aus Eggenfelden, der sogar wegen seiner Fahrtechnik nach einem ganz berühmten Automobil-Rennfahrer dieser Zeit benannt wurde, nämlich „Caracciola“.

Grubwinkler, der sich 1949 noch mit dem 4. Platz begnügen musste, sicherte sich Mitte Juni 1950 in einer spektakulären Fahrt den ersten Platz und trat dann mit einigen weiteren Fahrern dieses Rennens, unter denen auch Ernst Eder aus Weilberg, sowie Siegfried Sachs aus Eggenfelden waren, bei der niederbayerischen Meisterschaft in Passau an. Die fünf Fahrer vom Eggenfeldener Rennen belegten auch hier in der Neuburgerstraße in einem Wahnsinns Rennen mit ihren überlegenen Kisten, die immerhin schon mit den von Opel Sachs gestifteten Opelradsätzen ausgestattet waren, die vordersten Plätze.

Grubwinkler, Sachs und Eder sowie die beiden weitere Fahrer hatten sich somit für die bayerische Meisterschaft in München weiterqualifiziert.

Bei einem sehr harten Ausscheidungskampf unter Bayerns besten Seifenkistenpiloten erreichte der damals Carraciola von Eggenfelden einen spektakulären 2. Platz. Ganz Eggenfelden war jetzt im Seifenkistenfieber und wartete mit Spannung auf das größte Seifenkistenereignis in Deutschland – die deutsche Meisterschaft in der US-Zone in Stuttgart. Anfang Juli 1950 war es dann so weit - in einem irrsinns Rennen vor über 20 000 Zuschauer schaffte es der damals 14-jährige Eggenfeldener sogar auf einen legendären 2. Platz.

Hätte sich seine Hinterachse durch die vielen Ausscheidungsrennen und das ständige Verladen der Kiste auf die amerikanischen Lkws nicht gelockert, wäre er beim Finale wohl nicht ins Schlingern gekommen. So kratzte er nur knapp an der Bestzeit vorbei. Nur Bruchteile von Sekunden trennten ihn vom Sieg.

Der Erstplazierte erhielt, von den Amerikanern finanziert, ein Reise mit seinem Vater nach Amerika, um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Grubwinkler gewann ein Leichtkraftmotorrad Marke NSU-Fox.

Der „Carraciola von Eggenfelden“ wurde als deutsche Vizemeister, in Stuttgart, München und schließlich bei uns groß gefeiert.

Bei der anschließenden Teilnahme bei der Europameisterschaft durfte er nicht mit seiner eigenen Kiste starten und landete auf Platz 12. Wäre er mit seiner eigenen Kiste gefahren, wäre er sicherlich wieder ganz vorne mit dabei gewesen.

 

Seit 1990 werden im niederbayerischen und oberbayerischen Raum vereinzelt wieder Seifenkistenrennen veranstaltet, bei denen es sich vorwiegend um Gaudiwettbewerbe und um Rennen der freien Klasse handelt. Veranstaltungen des Deutschen Seifenkisten Derby e. V. sind in Bayern eher selten. Da die Bauvorschriften hier sehr eng und die Kreativität und die Gestaltungsmöglichkeit der Seifenkistenbauer stark eingeschränkt sind,  werden inzwischen auch in anderen Regionen Deutschlands die Seifenkistenrennen der freien Klasse immer beliebter.

Bei diesen Veranstaltungen gibt es lediglich Bauvorschriften, die der allgemeinen Sicherheit dienen. Rennregeln und Bauvorschriften sind Ermessenssache des Veranstalters.

 

Das ist die Urform des Seifenkistensports, die auch wir weiterpflegen wollen.

 

 

 

 
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